Worms: Nibelungenfestspiele werden „wesentlich moderner“

Die Nibelungen-Festspiele 2016 warten gleich mit einer ganzen Reihe prominenter Namen auf, darunter Uwe Ochsenknecht, Dominic Raacke und Katja Weitzenböck. Zum Wormser Team des Intendanten Nico Hofmann gehören wie im vergangenen Jahr aber auch viele Newcomer. Über die Hälfte des Ensembles bestehe aus Jungstars, die er oder Regisseur Nuran David Calis entdeckt hätten, sagte Hofmann der Deutschen Presse-Agentur. „Ich setze jetzt überhaupt nicht auf bekanntere Namen. Ich gehe nach wie vor nach der Qualität.“ Derzeit würden noch zehn Rollen besetzt. In zwei Wochen sei das Ensemble komplett. „Da werden viele junge dabei sein. Da bleibe ich mir schon treu“, sagte der 56-Jährige. Die Festspiele gehen vom 15. bis 31. Juli über die Bühne.

Ochsenknecht „auf dem Höhepunkt“

Ochsenknecht habe er wegen der gemeinsamen Heimatstadt gefragt – „wir sind ja beide Mannheimer Söhne“. Sie hätten im vergangenen Jahr viel miteinander gedreht, unter anderem „Die Udo Honig Story“, eine an Steuersünder Uli Hoeneß angelehnte Satire. „Ich halte den Uwe einfach für einen tollen Schauspieler. Er ist derzeit auf dem Höhepunkt seiner Karriere.“ Deshalb habe er ihn gebeten, mitzumachen. Das habe weniger mit Namedropping als mit Qualität zu tun. Morgen wollen Hofmann und seine Kollegen einige Ensemblemitglieder vorstellen und erste Einblicke in das neue Stück geben. „Gold. Der Film der Nibelungen“ spielt während eines fiktiven Filmdrehs vor dem Wormser Dom. Ochsenknecht mimt einen tödlich erkrankten Produzenten, der sich einen Traum erfüllen und einen Film über die Nibelungen drehen will. Das um Liebe, Rache und Gewalt kreisende Nibelungenlied wird dabei zum geheimen Drehplan für die Crew, die Stimmung ist explosiv. Wie im Nibelungenlied hat der „Streit der Königinnen“ Brünhild und Kriemhild über ihre Position bei Hofe große Bedeutung – er droht vor und hinter der Kamera zu eskalieren. Hinzu kommt, dass der exzentrische Regisseur alle an die Grenzen des Wahnsinns treibt. Das neue Stück sei „wesentlich moderner“ als die letztjährige Nibelungen-Produktion, die zu großen Teilen am Hof des Hunnenkönigs Etzel spielte, sagte Hofmann. Die Inszenierung umfasste Traumsequenzen und ein Spiel auf verschiedenen Ebenen, was manchem das Verständnis erschwerte. Autor war damals wie heute Albert Ostermaier. „Gold“ wird nach Hofmanns Worten „wesentlich stringenter sein, und es wird auch durchaus politischer sein“. Er kündigte eine „härtere und auch zeitgemäßere Auseinandersetzung“ sowie einen Bezug zu momentanen Entwicklungen an. An Regisseur Calis begeistert ihn vor allem, „wie er an die Figuren rangeht“. Er sei ein politischer Regisseur und jemand, „der komplett in Figurenwelten lebt“.

Dom: Nicht nur Kulisse

Der Dom soll dieses Mal nicht nur als Kulisse dienen, es wird auch im Gotteshaus gespielt – und das wird per Kamera nach Außen übertragen. „Das ist der Reiz des Manövers, dass wir teilweise mit Live-Schaltungen arbeiten“, sagte Hofmann. So würden sowohl die Bühne als auch die Leinwand bespielt, „das macht eine sehr interessante Brechung der Kulisse aus“. Auf die Frage nach dem Vorverkauf sagte der Geschäftsführer der Nibelungenfestspiele gGmbH, Sascha Kaiser, man habe „grundsätzlich“ ein gutes Weihnachtsgeschäft gehabt. Der eigentliche Startschuss für falle aber am Montag. Die Festspiele haben einen Etat zwischen 3,6 und 3,8 Millionen Euro. 2,15 Millionen Euro decken Stadt und Land ab, die 1,5 Millionen Euro beziehungsweise 650 000 Euro beisteuern. Der Rest soll über Kartenverkäufe, Sponsoren und Mäzene hereingeholt werden. (dpa/wg)