Worms: Überreste eines mehr als tausend Jahre alten Taufbeckens entdeckt

Bei Grabungen am Wormser Dom, die im Zusammenhang mit den Bauarbeiten zum „Haus am Dom“ stehen, sind Archäologen nach eigenen Angaben auf eine „kleine Sensation“ gestoßen: Sie fanden die Überreste eines großen Taufbeckens für Erwachsene aus spätantiker oder frühmittelalterlicher Zeit. „Wir kennen im deutschsprachigen Raum nur vier vergleichbare Anlagen“, sagte der Leiter der Forschungsstelle Kaiserpfalz Ingelheim, Holger Grewe, am Donnerstag. Nach seiner Schätzung könnte der Fund aus dem sechsten, siebten oder achten Jahrhundert stammen. Danach – in der Zeit Karls des Großen – habe ein Wandel weg von der Erwachsenentaufe hin zur Kindstaufe eingesetzt. „Und dann sind diese Becken außer Gebrauch“, sagte Grewe. Zu sehen sind noch die Umrandung und der Boden des Beckens, das einen Durchmesser von etwa 1,50 Meter hat. Nach Grewes Darstellung wurde in spätantiker und frühchristlicher Zeit ein Ritual praktiziert, bei dem überwiegend andersgläubige Erwachsene getauft wurden. Die Becken mussten groß genug sein, damit diese hineinsteigen konnten. Die Becken wurden in den Boden eingelassen, gemauert und mit einem speziellen Mörtel verputzt. Die Täuflinge hätten im geweihten Wasser gestanden und seien damit übergossen worden, erklärte Grewe, der einen ähnlichen Fund in Ingelheim gemacht hat. Andere Anlagen gibt es in Trier, Köln und Boppard. (dpa/cag)